
Was passiert, wenn der Fluss, der Ernährung, Kultur und Identität sichert, langsam stirbt?
Und welche Möglichkeiten entstehen, wenn Betroffene beginnen, sich dagegen zu wehren?
Diese Fragen stehen im Mittelpunkt des österreichweiten Bildungsprojekts „Begegnung mit Gästen“, das von den österreichischen Welthäusern organisiert und von der Austrian Development Agency (ADA) aus Mitteln der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit gefördert wird.
Von 27. April bis 1. Mai 2026 sind in Vorarlberg zwei Aktivistinnen aus Bolivien zu Gast: Alicia Cuiza Churquí von CEPA (Centro de Ecología y Pueblos Andinos) und Erika Rojas von CIPCA Regional Altiplano (Centro de Investigación y Promoción del Campesinado). CEPA arbeitet im bolivianischen Hochland zu Umweltfragen und zur Stärkung indigener Gemeinschaften, insbesondere von Frauen. CIPCA begleitet ländliche Gemeinden in Fragen der Agrarökologie, Ernährungssouveränität und politischen Teilhabe.
Die beiden Aktivistinnen berichten über ihre Arbeit entlang des Río Pilcomayo – einer Lebensader für zahlreiche indigene Gemeinschaften, die heute stark durch Bergbau, industrielle Landwirtschaft und die Folgen der Klimakrise belastet ist.
Schwermetalle, verschmutztes Wasser und unfruchtbare Böden gefährden Fischerei, Landwirtschaft und Gesundheit. Die Ursachen reichen weit über Bolivien hinaus und stehen in engem Zusammenhang mit globalen Produktions- und Konsummustern.
Auch in Europa waren Flüsse lange stark belastet. In den 1970er-Jahren galten viele Gewässer als ökologisch schwer geschädigt – auch der Rhein war durch industrielle Abwässer und Schwermetalle stark verschmutzt. Erst durch internationale Zusammenarbeit, strengere Umweltgesetze und Investitionen in Abwasserreinigung gelang eine schrittweise Verbesserung.
Diese Entwicklung zeigt: Eine Trendwende ist möglich. Gleichzeitig macht sie deutlich, dass Umweltprobleme nicht einfach verschwinden, wenn sie geografisch verlagert werden. Viele Rohstoffe, Metalle und Agrarprodukte, die weltweit gehandelt und auch in Europa konsumiert werden, werden unter Bedingungen gewonnen oder produziert, die Flüsse und Ökosysteme in anderen Regionen stark belasten.
Der Austausch mit den Aktivistinnen aus Bolivien eröffnet daher auch eine Perspektive auf globale Zusammenhänge.
Doch mitten in diesen Herausforderungen organisieren sich insbesondere Frauen. Sie entwickeln neue Einkommensmöglichkeiten, setzen sich für den Zugang zu sauberem Wasser ein, stärken traditionelle Wissensformen und kämpfen für politische Mitsprache.
Dabei geht es um Empowerment. Darum, Handlungsmacht zurückzugewinnen: Wissen weiterzugeben, Rechte einzufordern, wirtschaftlich unabhängiger zu werden und als Gemeinschaft selbst über die eigene Zukunft zu entscheiden. Aus diesem Empowerment entsteht Widerstand gegen Umweltzerstörung, soziale Ungleichheit und das Verschwinden kultureller Lebensgrundlagen.
Am 01. Mai 2026 lädt eine öffentliche Veranstaltung zur Auseinandersetzung ein:
Freitag, 01. Mai 2026, 15:00 Uhr – WirkRaum, Bahnhofstraße 9 in Dornbirn
Vortrag & Diskussion: Stimmen des Widerstands aus Bolivien: indigene Frauen gegen Umweltzerstörung.
Zwei Aktivistinnen aus Bolivien berichten von ihrer Arbeit am Río Pilcomayo, wo Bergbau, Landwirtschaft und die Klimakrise die Lebensgrundlagen indigener Gemeinschaften bedrohen. Sie setzen sich für sauberes Wasser, nachhaltige Einkommensmöglichkeiten und die Rechte indigener Frauen ein. Ihre Perspektiven laden dazu ein im Anschluss an den Vortrag gemeinsam zu diskutieren.
Die Veranstaltung ist eine Kooperationsveranstaltung des Welthaus Vorarlberg, des Werk der Frohbotinnen und der Internationalen Freiwilligeneinsätze.
Anmeldung unter: martina.jaeger@welthaus-vorarlberg.at
Neben öffentlichen Vorträgen finden Workshops mit Schüler:innen und Student:innen, Fachgespräche mit zivilgesellschaftlichen Organisationen, Exkursionen sowie Austausch mit Multiplikator:innen statt.
Ziel ist ein Dialog auf Augenhöhe über Umweltgerechtigkeit, globale Zusammenhänge und Handlungsmöglichkeiten im eigenen Umfeld.